Diese Dinge gehören in eine gut sortierte Reiseapotheke

Diese Dinge gehören in eine gut sortierte Reiseapotheke

Wer eine Reise plant, sollte für unvorhergesehene Zwischenfälle auch das ein oder andere Arzneimittel mit in den Koffer packen. Diesbezügliche Empfehlungen gibt Dr. Grit Berger. Sie ist Leitende Apothekerin an der Zentralklinik Bad Berka. Im Interview spricht sie über die Wichtigkeit des Impfpasses, Wasserentkeimungstabletten und die richtige Lagerung von Medikamenten.

Frau Dr. Berger, was sollte denn in einer gut sortierten Reiseapotheke vorhanden sein?

Zunächst einmal sollte man natürlich an all jene Medikamente denken, die man regelmäßig einnimmt, also bei bestimmten Patienten zum Beispiel etwas gegen Blutdruck, Gicht, oder das Insulin bei Diabetikern. Im zweiten Schritt ist es sinnvoll, seinen Impfpass einmal zu kontrollieren. Darin steht zum Beispiel, ob man die Hepatitis-A-Impfung erhalten hat. Diese ist etwa dann relevant, wenn man in ein Land reist, in dem Meeresfrüchte gegessen werden. Auch kann man in dem gelben Heftchen nachsehen, ob etwa Pertussis (Keuchhusten), Wundstarkrampf und Diphterie aufgefrischt wurde.

Was ist eigentlich, wenn man seinen Impfpass nicht mehr findet?

Das ist eine dumme Situation, weil dann nicht mehr einwandfrei dokumentiert ist, welche Impfungen man als Patient bereits erhalten hat. Im Verlustfall kann man zu seinem Hausarzt gehen, der die durchgeführten Impfungen in der Regel in seiner Kartei führt. Oder man versucht sich selbst zu erinnern, wann man zum Beispiel eine bestimmte Impfung erhalten hat. Grundsätzlich ist es wichtig, den Impfpass gut aufzubewahren, auch weil im Krankenhaus immer nach ihm gefragt wird. Sinnvoll ist es in jedem Fall, eine Kopie des Dokuments anzufertigen, um auf Nummer sicher zu gehen. Der Impfpass ist ebenso wichtig wie der Personalausweis oder der Führerschein.

Wie frühzeitig sollte man sich denn zum Beispiel um für das jeweilige Reiseland angeratene Impfungen kümmern?

Grundsätzlich gilt: Je eher, umso besser. Denn die angeratenen Impfungen können nicht nur von Land zu Land, sondern sogar von Region zu Region sehr unterschiedlich ausfallen. So kann es vorkommen, dass von Tropenmedizinern für verschiedene Landesteile von Vietnam etwa verschiedene Impfungen vorgeschlagen werden. Experten richten sich hinsichtlich ihrer Ratschläge oftmals nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Fakt ist: Manche Impfungen brauchen eine gewisse Zeit, bis sie wirksam werden. Zudem kann es zu Lieferengpässen bei Impfstoffen kommen. All das sollte man als Reisender immer bedenken. Deshalb rate ich: Sobald man sich mit der Planung einer Reise beschäftigt, sollte man sich beim Arzt oder Apotheker erkundigen, welche Impfungen für ebendort empfohlen werden.

Welche Kosten übernehmen die Krankenkassen?

Das ist von Kasse zu Kasse unterschiedlich. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten brauchen wir Apotheker immer ein Rezept. Impfungen gegen Diphtherie oder Keuchhusten übernehmen die Krankenkassen komplett, weil diese auch für unsere Region vorgeschrieben sind. Eine Malaria-Impfung hingegen wird der Patient in der Regel selbst oder zumindest anteilig bezahlen müssen. Eine solche auf eine Reise in Malaria-Gebiete als „Standby“ mitzunehmen, würde ich allerdings jedem raten, das wäre mir meine Gesundheit wert. Schmerzmittel, Ohrentropfen, Nasentropfen oder Pflaster hingegen sind frei verkäuflich, und man kann sie ja auch nach der Reise noch verwenden.

Was gehört sonst noch zur Grundausstattung der Reiseapotheke?

Mittel gegen Insektenstiche und Sonnenbrand sind natürlich in den meisten Urlaubsländern, in denen die Sonne scheint, Pflichtausstattung. Da sollte man bei der Menge, die man einpackt, nicht sparen. Etwas gegen Schmerzen und Fieber dabei zu haben, ist ebenso wichtig. Wenn man Kopfweh hat oder sich irgendwo stößt, kann zum Beispiel Ibuprofen, Paracetamol oder auch ein Acetylsalicylsäure enthaltendes Medikament wie etwa Aspirin sinnvoll sein. Vielleicht hat man als Patient mit dem einen oder anderen Präparat schon gute Erfahrungen gemacht. Ein solches dann einzupacken, ist auf jeden Fall ratsam. Darüber hinaus würde ich ein Mittel gegen Durchfall mit in den Urlaub nehmen, etwa Kohletabletten. Auch Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen dabeizuhaben, kann sich auszahlen.

Und was hilft gegen Reisekrankheiten?

Wenn man viel in Bussen oder auf Schiffen unterwegs ist, empfehle ich gegen Übelkeit Reisetabletten, die es auch in Form von Kaugummis gibt.

Was hilft gegen allergische Reaktionen?

Wenn man zum Beispiel eine Sonnenallergie bekommt, auf ein ungewohntes Essen reagiert, oder einfach nur an Heuschnupfen leidet, sollte man ein entsprechendes Medikament dabeihaben, das die Leiden lindert. Der Arzt oder Apotheker kann hier vor Reiseantritt Ratschläge geben.

Was ist bei Flugreisen zu beachten?

Hier können sogenannte abschwellende Nasensprays sinnvoll sein, die auch beim Druckausgleich helfen. Gerade dann, wenn man eine Erkältung hat.

Haben Sie grundsätzlich noch Empfehlungen parat, wenn man in ein fernes Land reist?

Man sollte sich frühestmöglich Expertenrat einholen. Zum Beispiel wird einem dann erklärt, welche Impfungen benötigt werden (Impfprophylaxe), also etwa Malaria-Schutz in bestimmten Regionen der Welt. Grundsätzlich empfehle ich auch immer, Hände-Desinfektionmittel auf eine Reise mitzunehmen, denn über die Hände werden die meisten Keime verbreitet. Gerade dann, wenn es sich beim Reiseland um eines handelt, das nicht die hygienischen Standards von Mitteleuropa erfüllt, sollte man daran denken. Die entsprechenden Mittel sind oft Gels, und hierzulande in jedem Drogeriemarkt erhältlich. Auch Pflaster kann man dort gleich noch mitnehmen.

Was halten Sie von Wasserentkeimungstabletten?

Das hängt stark von der Region ab. Wenn man in einem gepflegten Hotel urlaubt, sind sie wahrscheinlich kaum notwendig. Bei einer Rucksack-Tour ins Outback natürlich schon eher.

Wie sollte man die Medikamente in der eigenen Reiseapotheke denn lagern?

Medikamente sind oft sehr licht- und auch temperaturempfindlich. Am besten, man bewahrt sie bei 25 Grad auf. Das ist aber lediglich ein Richtwert. Es ist nicht schlimm, wenn sie einmal ein paar Tage ein bisschen wärmer liegen. Kühlere Lagerung ist ohnehin in der Regel kein Problem, solange man die Präparate nicht einfriert. Gerade bei Impfstoffen und Insulinen sollte man das keinesfalls tun. Denn bei starker Hitze können chemische Umsetzungs- oder Zersetzungsprozesse stattfinden, die auch die Wirkung der Medikamente beeinträchtigen können. Schon deshalb sollte man seine Reiseapotheke niemals auf der Hutablage seines Autos oder anderen Orten platzieren, die von starker Sonneneinstrahlung betroffen sind. Stattdessen ist die Nutzung einer Kühlbox oder eines Kühlschranks sinnvoll. Nur direkt neben dem Kühlaggregat oder einem Kühlakku sollten sie nicht liegen, da ansonsten wieder die Gefahr des Einfrierens besteht. Hat man ein klimatisiertes Hotelzimmer, kann man Medikamente am besten dort lagern, und nicht im Tagesrucksack. Grundsätzlich gilt zuhause wie im Urlaub: Zimmertemperatur ist für die Lagerung der meisten Präparate bestens geeignet. Lediglich bei Insulinen sollte man eine Kühltasche nutzen. Ein Blick auf die äußere Verpackung hilft auch, die richtige Lagerungstemperatur des speziellen Arzneimittels zu finden.

Was muss man bei Flugreisen beachten? Thema: Gepäckverordnung…

Grundsätzlich darf man alle Medikamente, auch Betäubungsmittel, zum persönlichen Bedarf mitnehmen. Auf Nachfrage muss man diesen persönlichen Bedarf dem Sicherheitspersonal am Flughafen allerdings nachweisen. Hierfür kann es sinnvoll sein, sich vor Reiseantritt vom Arzt ein Attest ausstellen zu lassen, das zweifelsfrei dokumentiert, dass die mitgeführten Medikamente der Deckung des persönlichen Bedarfs dienen. Dort könnte zum Beispiel geschrieben stehen, dass man als Patient Insulin-Pen benötigt. Menschen mit Herzschrittmacher oder Implantaten haben ja auch immer ihren Pass dabei. Gerade Schmerzmittelpatienten, die Präparate einnehmen müssen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, würde ich dringend raten, rechtzeitig mit ihrem Arzt zu sprechen und sich ein dokumentierendes Attest ausstellen zu lassen.

Was ist, wenn man im Urlaub merkt, dass man ein wichtiges Medikament vergessen hat?

Grundsätzlich würde ich mich in solch einer Situation auf den Rat des Personals in der lokalen Apotheke oder des behandelnden Arztes verlassen. Manche Medikamente sind im Ausland auch nicht verschreibungspflichtig.

Auf welche Website verweisen Sie denn gerne, wenn Menschen zu Ihnen kommen, die planen zu verreisen?

Zum Beispiel die Website der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). Aber auch die Krankenkassen haben online und offline oft brauchbare Checklisten. Grundsätzlich kann man natürlich auch in die Apotheke gehen und sein Reiseland nennen. Sollte dort ein Antibiotikum angeraten werden oder Medikamente für die Malaria-Stand-by-Therapie, dann benötigt man ein ärztliches Rezept.

Haben Sie einen letzten heißen Tipp für alle, die eine Reise planen?

Ich würde empfehlen, auf der Packung all jener Medikamente, die man nicht genau kennt, zu notieren, gegen welche Art von Beschwerden sie helfen. Zudem ist es sinnvoll, rechtzeitig vor der Abreise sicherzustellen, dass keines der Medikamente bereits abgelaufen ist. Präparate, deren Haltbarkeitsgrenze überschritten ist, sollten keinesfalls mehr eingenommen werden.

Ihre Expertin für Arzneimittel
Dr. Grit Berger
Leitende Apothekerin an der Zentralklinik Bad Berka

 

 

 

 

 

 

 

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