Keine Angst vor Keimen

Keine Angst vor Keimen

Fragen an den Hygieneexperten

Das Thema Krankenhauskeime und eine mögliche Infektion ist für viele Patienten ein hochemotionales Thema. Können Sie beruhigen?
Definitiv ja. In unseren Krankenhäusern gibt es feste Regelungen, um ein Auftreten und die Ausbreitung von Keimen effektiv zu verhindern. Unsere Mitarbeiter sind geschult, diese Regelungen entsprechend umzusetzen. Grundsätzlich geht es natürlich darum, eine Ansteckung mit Krankenhauskeimen zu vermeiden. Das beginnt direkt bei der Aufnahme der Patienten und erstreckt sich auf den gesamten Krankenhausaufenthalt, wie zum Beispiel auf Maßnahmen vor und nach einer Operation. Unser Ziel ist es, möglichst frühzeitig Handlungsbedarf zu erkennen und gegebenenfalls schnellstmöglich zu reagieren.

Von welchen Keimen reden wir denn genau?
Besonders gefährlich sind diejenigen Keime, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken. Das sind die sogenannten multiresistenten Erreger.

Kann man denn als Krankenhaus überhaupt verhindern, dass gefährliche Keime im Krankenhaus vorhanden sind?
Leider lässt sich das nicht zu 100 Prozent ausschließen. Wir können bei der Aufnahme der Patienten nicht vollständig überwachen, welche Keime möglicherweise ins Krankenhaus eingeschleppt werden.

Wie versucht man, dieses Risiko gering zu halten?
Bei der Aufnahme neuer Patienten ist es an unseren Kliniken Standard, dass diese entsprechend eines sogenannten Risikoprofils befragt werden. Das nennt sich Aufnahme-Screening. Die Risikoeinstufungen hat das Robert-Koch-Institut als unabhängige Instanz vorgenommen. Ziel ist natürlich, möglichst frühzeitig herauszufinden, wer möglicherweise Keime mitbringt.

Wie läuft so ein Aufnahme-Screening denn ab?
Es gibt einen Fragebogen, eine Art Checkliste. Wichtigster Punkt ist, dass abgefragt wird, ob sich der Patient in jüngster Vergangenheit an Orten aufgehalten hat, wo das Risiko des Vorhandenseins gefährlicher Keime besonders hoch ist und er möglicherweise solche Keime bereits in sich trägt. Konkret wird erfragt, ob man kürzlich im Krankenhaus stationär behandelt wurde, ob man aus dem landwirtschaftlichen Bereich kommt oder ob man sich im Ausland, in bestimmten Ländern aufgehalten hat.

Und was passiert, wenn der neue Patient an einem dieser Orte war?
Dann greifen im Krankenhaus gezielte Vorsorgemaßnahmen. Zum einen untersuchen wir den betroffenen Patienten auf Keime, zum anderen sorgen wir als Klinik dafür, dass er erst einmal allein im Zimmer liegt, um ein potenzielles Infektionsrisiko für andere Patienten zu vermeiden. Denn die Übertragung der Keime erfolgt auch über die Gegenstände in einem Krankenhauszimmer oder die sanitären Einrichtungen, also zum Beispiel Toiletten. Wenn eine Übertragung der Keime medizinisch ausgeschlossen werden kann, ist die Unterbringung in einem Mehrbettzimmer möglich.

Was tut das Krankenhaus denn noch, um alle anderen Patienten und auch das Personal vor einer eventuellen Infektion zu schützen?
Neben den genannten Isolierungsmaßnahmen, die in zahlreichen Hygienehandbüchern genau definiert sind, befolgt unser Personal in solch einem Fall spezielle Hygienemaßnahmen wie Reinigungs- und Desinfektionsvorschriften. Das gilt für den ärztlichen, wie auch den pflegerischen, therapeutischen, Reinigungs- und Service-Bereich.

Gibt es Patienten, die besonders anfällig sind für eine Ansteckung, und solche, die kaum oder gar nicht gefährdet sind?
Ja. Ältere Menschen und kleine Kinder sowie Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, sind prinzipiell gefährdeter als andere. Sobald wir feststellen, dass ein Patient von Keimen befallen ist, machen wir allerdings keine Unterschiede hinsichtlich der Schutzmaßnahmen für andere Patienten. In diesem Fall wird grundsätzlich jeder gleich gut behandelt.

Gibt es bestimmte Vorgehensweisen hinsichtlich der Räumlichkeiten, wenn ein Infektionsfall aufgetreten ist?
Ja, auch das ist in allen Hygieneplänen genau geregelt. Betroffene Patienten werden im Fall einer Infektion zum Beispiel grundsätzlich als Letzte im Operationssaal behandelt. Natürlich nur, wenn es medizinisch vertretbar ist.
Danach müssen die Räumlichkeiten grundgereinigt werden, wie wir das nennen.

Was bedeutet das genau?
Sämtliche Gegenstände, die im OP sind, wie zum Beispiel Verbandstoffe oder Arzneimittel, entsorgt das Personal. Außerdem erfolgt wie üblich die Desinfektion sämtlichen Inventars und aller Flächen, also zum Beispiel OP-Lampe, Wände, Böden, Instrumentarien und Geräte. Die anderen Patienten werden während des Transports durch das Krankenhaus geschützt, zum Beispiel durch einen Mundschutz, der eine Übertragung der Keime durch die Atemluft verhindert. Und das Pflegepersonal hat entsprechende Schutzkleidung an.

 

Harald Auner: Leiter Konzernbereich Patientensicherheit, Qualitätsmanagement und HygieneIhr Hygiene-Experte: 
Harald Auner,
Leiter Konzernbereich Patientensicherheit, Qualitätsmanagement und Hygiene
RHÖN-KLINIKUM AG