Modekrankheit Burnout?

Modekrankheit Burnout?

Wenn die Seele krank ist

Hin und wieder unzufrieden oder genervt zu sein ist ganz normal und gehört zum Leben dazu. Aber Antriebsmangel, chronischen Erschöpfung und Schlafstörungen können Resultate eines Burnouts sein. Dass hinter der gefühlten inneren Leere oftmals nichts anderes als eine Depression steckt, ist vielen Menschen noch immer unklar. Wird das Hadern mit der eigenen Befindlichkeit hingegen chronisch, ist in unserer von Leistung geprägten Gesellschaft schnell von Burnout die Rede.

Der Begriff Burnout hält sich seit vielen Jahren im allgemeinen Sprachgebrauch. Ursprünglich definiert als „Zustand physischer oder seelischer Erschöpfung“, der aus lang anhaltenden negativen Gefühlen entsteht. Auch heute gibt es noch immer keine Diagnose Burnout. Stattdessen werden dessen Symptome zumeist dem Krankheitsbild der Depression zugeordnet.

Klassische Hinweise darauf, dass das Aufsuchen eines psychosomatisch geschulten Spezialisten hilfreich sein könnte, sind unter anderem lang andauernde Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit, Denkblockaden, Rastlosigkeit, Schlafstörungen, Antriebsmangel, Gereiztheit sowie ausgeprägte Arbeitsunlust und ein Gefühl von zu wenig Anerkennung, beispielsweise bei der Arbeit.

„Es ist wichtig, dass man als Mensch auch außerhalb des Jobs Bestätigung erfährt.“
Prof. Dr. Siepmann, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Neurologie und Psychiatrie, Klinische Pharmakologie am Campus Bad Neustadt

In der Anfangsphase des sogenannten Burnout-Zyklus steht oftmals vermehrtes Engagement bei sich einstellender Erschöpfung. Dies mündet in reduziertes Engagement. Betroffene zeichnen sich in einer derartigen Situation oftmals durch Zynismus, Kälte und Kontaktvermeidung aus. Im weiteren

Verlauf sind häufig innerer Rückzug und Schuldzuweisungen gegenüber Dritten auszumachen, verbunden mit einem Abfall der Leistungsfähigkeit, psychosomatischen Reaktionen und Gefühlen der Verzweiflung.

„Dieser Burnout-Zyklus ist medizinisch allerdings nicht scharf definierbar“, sagt Professor Dr. Siepmann, der sich mit seinem Team auf die Behandlung von Patienten mit berufsbezogenen Störungen spezialisiert hat. Im Rahmen des Programms Berufsbezogene Psychotherapie in Gruppen kümmern sie sich um Menschen, die unter den genannten Symptomen leiden.

Grundsätzlich rät der Arzt all seinen Patienten dazu, sich im Leben stets um Ausgeglichenheit zu bemühen. „Es ist wichtig, dass man als Mensch auch außerhalb des Jobs Bestätigung erfährt“, sagt er. Etwa in der Familie und im Freundeskreis.
Im Bereich der Arbeitswelt sollten Unternehmen durch die Schaffung durchdachter Feedback-Systeme dafür sorgen, dass Mitarbeiter sich angemessen artikulieren können und das Gefühl haben, vom Chef gehört zu werden. Regelmäßige Kommunikation unter Kollegen sei hier besonders wichtig.

 

Professor Dr. Siepmann

Ihr Burnout-Experte:
Prof. Dr. Siepmann
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Neurologie und Psychiatrie, Klinische Pharmakologie am Campus Bad Neustadt