So funktioniert eine Zentrale Notaufnahme!

So funktioniert eine Zentrale Notaufnahme!

Die Zentrale Notaufnahme ist eines der Herzstücke des Klinikum Frankfurt (Oder). Hier kümmern sich Ärzte verschiedenster Disziplinen und Pflegekräfte um die Patienten, die in vielen Fällen älter als 65 Jahre alt sind. Ein besonderer Fokus liegt auf Erkrankungen, die eine schnelle Versorgung erfordern, wie etwa Herzinfarkt, Schlaganfall, Blutvergiftung oder auch schwerste Verletzungen nach Unfällen.

Dr. Bernhard Flasch ist Chefarzt der Zentralen Notaufnahme. Die große Herausforderung hier sei es, „aus den Symptomen des Patienten die richtige Arbeitsdiagnose abzuleiten“, sagt er. Denn diese sei schließlich die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung.

Im Gespräch mit dem RHÖN-Gesundheitsblog erklärt der Arzt außerdem, was man sich unter einer Ersteinschätzung vorstellen darf und wie man in der Notaufnahme mit akut verwirrten Menschen umgeht.

Herr Dr. Flasch, Sie versorgen pro Tag 80 bis 120 Patienten in Ihrer Notaufnahme. Wie kann man sich den Ablauf dort vorstellen?

Grundsätzlich ist es so, dass die Patienten entweder selbst oder mit dem Rettungsdienst in die Zentrale Notaufnahme (ZNA) kommen. Unsere erste Maßnahme in der Klinik ist dann die sogenannte Ersteinschätzung der Person. Diese dient zur Identifizierung von lebensbedrohlichen Erkrankungen und Verletzungen. Hier geht es also darum, potenziell lebensgefährliche Symptome beim Patienten zu erkennen und wichtige Vitalparameter zu erheben, wie zum Beispiel Atemfrequenz oder Blutdruck. Grundsätzlich ist es Ziel der Zentralen Notaufnahme, bestmöglich einzuschätzen, wie dringend Diagnose und Therapie für einen bestimmten Patienten sind. Das ist schon deshalb wichtig, um mit Zeit und Ressourcen von Ärzten und Pflegepersonal bestmöglich umzugehen.

Was viele sich wahrscheinlich fragen: Wenn mehrere Patienten gleichzeitig auf diese Ersteinschätzung warten, wer kommt dann zuerst dran?

Sollte eine Person in Lebensgefahr oder wiederbelebt worden sein, ist sie natürlich ganz klar in der obersten Dringlichkeits-Kategorie. Wer hingegen mit Sprunggelenk-Beschwerden, die schon seit zwei Wochen bestehen, hierher kommt, muss unter Umständen also ein wenig warten. Es geht natürlich nicht darum, jemandem die Wartezeit vorzuschreiben, sondern darum, das medizinische Personal dem jeweils am meisten bedrohten Patienten zur Verfügung zu stellen. Dieses System ist sinnvoll, denn in vielen Fällen geht es schließlich um Leben oder Tod.

Spielt es im Hinblick auf eine möglichst schnelle Behandlung eine Rolle, ob jemand selbst zur Notaufnahme kommt oder per Rettungsdienst gebracht wird?

Absolut nicht. Einzig und allein das genannte Beschwerdebild zählt. Wir hier in der Notaufnahme stellen uns also immer die Frage: Wie schnell braucht eine bestimmte Person Hilfe?

Was passiert nach der Ersteinschätzung?

Wir entscheiden dann, ob der Patient im sogenannten Monitorbereich überwacht werden muss, wo unter anderem permanent der Blutdruck und die Herzfrequenz gemessen werden. Im weniger sensiblen ambulanten Bereich benötigt der Patient zumeist kein Monitoring.

Hier wird dann die Anamnese durchgeführt. Der Arzt fragt den Patienten also, welche Beschwerden er hat und wie lange diese schon bestehen. Im Anschluss führen wir eine klinische Untersuchung durch. Parallel dazu finden Laboruntersuchungen statt, zudem wird ein EKG geschrieben. Darauf folgt die sogenannte Diagnose-Prozesskette und in vielen Fällen eine bildgebende Diagnostik, also zum Beispiel Röntgen oder Computertomografie. Sobald die Befunde eintreffen, wird aus den gesammelten Daten die initial gestellte Arbeitsdiagnose verhärtet, oder eben in Frage gestellt und geändert. Sie stellt dann die Grundlage für eine effektive weitere Behandlung dar.

Wie schnell können Sie in der Regel eine solche Diagnose stellen?

Manchmal geht das ganz schnell, zum Beispiel bei Herzrasen oder Atemnot. In anderen Fällen müssen wir auf Ursachensuche gehen. Ein ziemlich klassischer, häufig vorkommender Fall ist das sogenannte Delir, das häufig bei älteren Notfallpatienten vorliegt. Es handelt sich hier um einen akuten Verwirrtheitszustand, bei dem Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörungen sowie Orientierungsprobleme auftreten. Warum die Person verwirrt ist, lässt sich allerdings häufig nicht sofort sagen.

Was tun Sie in einem solchen Fall?

Wir müssen genau abklären, woher diese akute Verwirrtheit kommt. Vielleicht von einer Hirnblutung oder einer Blutvergiftung, oder einem grippalen Infekt. Vielleicht hat der Patient ja zu wenig Flüssigkeit aufgenommen. Die notfallmedizinische Herausforderung hier ist, die sich untypisch präsentierenden Krankheitsbilder in Arbeitsdiagnosen zu überführen. Das gestaltet sich bei älteren Patienten nicht so einfach wie bei den jüngeren. Mehr als 33 Prozent unserer Patienten in der Zentralen Notaufnahme sind über 65 Jahre alt, 24 Prozent über 70 und 15 Prozent sogar über 80.

Für ältere Patienten haben sie einen Extra-Raum sowie Notaufnahmeprozess eingerichtet…

Ja, unsere sogenannte „Alters-Unit” hier in der Notaufnahme ist speziell für ältere Menschen gedacht. Zu denen zählen alle, die älter als 65 Jahre sind. Wir machen hier ein Screening, ein sogenanntes Geriatrisches Assessment. Geprüft wird zum Beispiel, wie selbstständig der Patient ist. Außerdem gibt es in der „Alters-Unit” einen Geriatrie-Manager aus dem Pflegedienst, der sich um die Belange der Patienten kümmert, eine eigene gut erreichbare Toilette für die Patienten, eine insgesamt beruhigende Farbgebung der Räumlichkeit, viel Tageslicht und verschiedene Erfrischungen. Wichtig ist uns, so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Das ist auch meine Philosophie als Arzt.