Projekt „sekTOR-HF“: Der Herzinsuffizienz gemeinsam den Kampf ansagen

Projekt „sekTOR-HF“: Der Herzinsuffizienz gemeinsam den Kampf ansagen

Um die fünf Liter Blut pumpt unser Herz in Ruhe pro Minute durch die Adern und versorgt so den gesamten Körper mit lebensnotwendigem Sauerstoff sowie Nährstoffen. Funktioniert dieser Pumpkreislauf  nicht mehr einwandfrei, sprechen Mediziner von einer Herzinsuffizienz, oft umgangssprachlich auch Herzschwäche genannt.

Betroffene müssen mit einer zunehmend nachlassenden Pumpleistung rechnen. In der Folge sinkt die Leistungsfähigkeit des Körpers. Deutschlandweit leiden rund vier Millionen Menschen an einer Herzschwäche, Tendenz steigend. Sie ist zudem die dritthäufigste Todesursache in Deutschland mit über 40.000 Toten pro Jahr (Quelle: Deutsche Herzstiftung).

Die RHÖN-KLINIKUM AG will gemeinsam mit Partnern wie der AOK, der DAK, der KV Bayerns und der Ärztegenossenschaft PriMa e.G. sowie den beiden kardiologischen Kliniken in Marburg und Bad Neustadt Patienten mit Herzinsuffizienz künftig noch zielgerichteter und effektiver behandeln.

Erklärte Ziele des ambitionierten Gemeinschaftsprojekts mit dem Titel „sekTOR-HF“ (Transsektorale bedarfsorientierte Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz und Entwicklung eines alternativen Vergütungsmodells), für das knapp vier Millionen Euro Fördersumme bewilligt wurden und das über mehrere Jahre läuft, sind vor allem: unnötige Krankenhausaufenthalte reduzieren, kritische Rettungseinsätze verhindern und die Lebensqualität von Betroffenen verbessern. Zudem sollen die zahlreichen Gesundheitsversorger in den Regionen besser vernetzt werden.

Gestartet ist das Projekt im Juni 2020 in den Regionen rund um den RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt und dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg am Standort Marburg, beides Kliniken der RHÖN-KLINIKUM AG. Der Vorstand Medizin, Professor Dr. Bernd Griewing, sagt: „Wir wollen mit dem Projekt die Grenzen der Sektoren praktisch überwinden und in Netzwerken denken und arbeiten.“ Anders, ergänzt er, werde es in Zukunft nicht mehr gehen.

„Hintergrund ist, dass die passgenaue Behandlung der Krankheit Herzinsuffizienz für die Medizin eine spezielle Herausforderung ist, da sie eine besondere Zusammenarbeit mehrerer medizinischer Partner erfordert. Eine solche könne nur gelingen, wenn all diese Akteure, also Leistungserbringer im stationären und ambulanten Sektor, optimal in einem interaktiven Netzwerk zusammenarbeiten“, erklären die beiden Herzspezialisten und Chefärzte Professor Dr. Sebastian Kerber von der Klinik für Kardiologie I am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt und Professor Dr. Bernhard Schieffer von der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Gießen und Marburg am Standort Marburg.

Voraussetzung ist ein adäquates Management und die richtige Steuerung der Patienten in einer Versorgungsregion. Und dort setzt das Projekt an. Konkret wurden eine sogenannte Netzwerkstelle mit einem Netzwerkmanager (Facharzt) und Netzwerkassistent (speziell für die Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz qualifizierte Medizinische Fachangestellte oder Gesundheits- und Krankenpfleger ) sowie ein webbasiertes E-Health-Portal konzipiert, in dem datenschutzkonform Patientendaten gebündelt und bewertet werden.

Um an Informationen zu gelangen, werden die Patienten im Rahmen des Projekts mit telemedizinisch vernetzten Geräten, einer Waage, einem Ohrensensor und einem 3-Kanal EKG, ausgestattet. Die erhobenen Daten werden im E-Health-Portal gesammelt und von den Mitarbeitern der Netzwerkstelle ausgewertet.

Wird in diesem Zusammenhang etwa eine kurzfristige Gewichtszunahme des Patienten festgestellt, nimmt der Netzwerkmanager Kontakt zum Betroffenen auf und klärt die Ursachen. Kann mit einer vorhandenen Wassertablette Abhilfe geschaffen werden, spart sich der Patient den Weg zum Arzt. Ist das Problem nicht leicht zu lösen, hält der Netzwerkmanager Rücksprache mit den ambulanten und stationären Behandlern und stimmt sich mit ihnen über das geeignete Vorgehen ab.

Herr Prof. Schieffer, der in Marburg schon heute sehr gut mit kardiologischen Praxen zusammenarbeitet, ist sich sicher: „Wir werden in diesem Zusammenspiel Mehrfach-Untersuchungen verhindern und die vermeidbaren Krankenhausaufenthalte verringern können. Jeder Beteiligte an der Versorgung kann sich auf seine Kernkompetenz konzentrieren.“

In Bad Neustadt deckt unter anderem Dr. Goran Trajkovski die ambulante Seite ab. Er hat im Sommer 2020 die Leitung der Kardiologischen Praxis im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) übernommen. „Durch die Vernetzung der niedergelassenen Ärzte und der Klinik profitieren die Patienten am allermeisten.“ Um das geplante Netzwerk flächendeckend und effektiv mit den stationären Versorgungseinrichtungen verbinden zu können, sieht er die Einbindung zahlreicher weiterer Partner im ambulanten Bereich als besondere Herausforderung.

Die Ziele des Projekts „sekTOR-HF“ behält vor allem Dominik Walter, Leiter des Fachbereichs Medizinisches Prozessmanagement der RHÖN-KLINIKUM AG und Leiter des Projekts im Auge. Nach langer Vorarbeit geht es bald richtig los: „Wir treffen jetzt alle Vorbereitungen für den Start der neuen Versorgungsform, rekrutieren passende Mitstreiter für die Netzwerkstelle, bauen das E-Health-Portal auf und bringen alle relevanten Partner zusammen“, sagt Herr Walter.

Ab Februar soll es dann mit den ersten Patienten losgehen. Insgesamt 500 von ihnen, davon 250 in Bayern und 250 in Hessen, werden ein ganzes Jahr lang im Rahmen des Projekts betreut. Danach folgt eine wissenschaftliche Auswertungsphase.

„Wir wollen die heutige Regelversorgung mit unseren medizinischen Experten weiterentwickeln und hoffen, damit einen kleinen Beitrag für eine bessere Versorgung der Patienten mit Herzinsuffizienz in unserem Land leisten zu können“, ergänzt Walters Kollege Harald Auner, Leiter des Konzernbereichs Patientensicherheit, Qualitätsmanagement und Hygiene, der das Projekt durch seine langjährige Erfahrung als Intensivkrankenpfleger sehr unterstützt.

Teilnahme am Projekt: Jetzt bewerben!

Sie möchten als Patient am Projekt „sekTOR-HF“ teilnehmen?
Denn beachten Sie bitte die folgenden Informationen:

Sie können teilnehmen, wenn Sie…

1) an einer Linksherzinsuffizienz (ICD-10-GM: I50.11, I50.12, I50.13, I50.14) aller Schweregrade nach NYHA leiden
2) zwischen 18 und 85 Jahren alt sind
3) bei einer der folgenden Krankenkassen gesetzlich versichert sind: AOK Hessen, AOK Bayern, DAK und Techniker Krankenkasse

Sie können leider NICHT teilnehmen, wenn die Punkte 1 bis 3 für Sie nicht zutreffend sind und wenn Sie zudem…

1) an Demenz oder akuter Depression (Einzelfallprüfung) leiden
2) eine Schwangerschaft oder Stillzeit vorliegt
3) aufgrund von fehlenden  deutschen Sprachkenntnissen nicht wie erforderlich am Projekt mitwirken können

Weiterführende Informationen zum Projekt auf www.sektor-hf.de