Innovative Molekulare Radiotherapie hilft Krebspatienten

Innovative Molekulare Radiotherapie hilft Krebspatienten

Im thüringischen Bad Berka behandeln Professor Richard P. Baum und sein Team in der „Klinik für Molekulare Radiotherapie” Krebspatienten aus aller Welt. Mit großem Erfolg.

Er ist eine internationale Koryphäe auf dem Gebiet der wegweisenden Nuklearmedizin, das die Behandlung schwerst an Krebs erkrankter Menschen mit völlig neuen Behandlungsmethoden ermöglicht: Professor Dr. Richard P. Baum, Chefarzt der Klinik für Molekulare Radiotherapie an der Zentralklinik Bad Berka.

Hier haben die Spezialisten im vergangenen Jahr die 5000. Radiorezeptortherapie angewendet – bei einem Patienten aus den USA. Seit Einrichtung der nuklearmedizinischen Therapiestation im Jahr 1999 konnte mit dieser speziellen Behandlungsart über 1500 Patienten geholfen werden, die an seltenen Krebserkrankungen des hormonbildenden Drüsengewebes, den sogenannten neuroendokrinen Tumoren, leiden.

1997 ist er von der Universitätsklinik Frankfurt am Main hierher nach Bad Berka gekommen, erzählt Professor Baum im Gespräch mit dem RHÖN-Gesundheitsblog: „Es gab hier keine Nuklearmedizin, nur ein leeres Gebäude ohne Fenster, und der damalige Geschäftsführer sagte mir: Das wird Ihr Reich!”

Klinik mittlerweile weltweit bekannt

Heute, gut 20 Jahre später, ist die Klinik für Molekulare Radiotherapie in Bad Berka weltweit bekannt und hat sich zu einem der bedeutendsten Zentren für neuroendokrine Tumoren (ENETS Center of Excellence) entwickelt, die Patienten aus vielen Teilen der Erde behandelt. Fast alle haben zuvor mit Operation und anderen Therapien bereits die gängigen Behandlungen erlebt. Die Hoffnung auf eine Besserung ihres Gesundheitszustands durch die von Professor Baum in Deutschland 1997 eingeführte peptidvermittelte Radiorezeptortherapie (PRRT) bedeutet für viele zugleich auch die letzte verbleibende Behandlungsmöglichkeit.

Kleine Eiweißstoffe, auch Peptide genannt, werden hierzu mit Beta- und neuerdings auch mit Alphastrahlern „markiert”, wie Radiochemiker das nennen. Vorstellen soll man sie sich als „trojanische Pferde“, wie Professor Baum sagt, die gezielt an die Tumorzellen andocken und dort die überschießende Hormonproduktion ausschalten. Darüber hinaus zerstört die Betastrahlung das Erbgut der Krebszellen und vernichtet somit den Tumor bzw. seine Tochtergeschwülste, die sogenannten Metastasen.

Gesundes Gewebe wird nicht beschädigt

Gefährlich sei die Bestrahlung nicht, versichert der Professor: Durch ihre geringe Reichweite wird gewährleistet, dass gesundes Gewebe nicht, oder nur in sehr geringem Maß, zu Schaden kommt. Fakt ist auch: Die hohe Wirksamkeit und sehr gute Verträglichkeit der PRRT konnte erst kürzlich anhand einer weltweiten Studie in Europa und den USA belegt werden.

Der Erfolg der Therapie in Bad Berka fußt unter anderem auf der PET/CT-Methode, einem „genialen Verfahren zur Tumor-Diagnostik”. Dieses Verfahren ermöglicht eine präzise molekulare Bildgebung, die den Primärtumor und Metastasen für den Arzt in Echtzeit sichtbar macht und damit besser und genauer behandelbar.

Hierzu verwenden die Experten aus Bad Berka Moleküle, die sich wie kleine Magnete an den Tumor bzw. die Tochtergeschwülste anlagern, die in den Lymphknoten, der Leber, im Knochen, in der Lunge oder auch im Hirn und an anderen Stellen im Körper sitzen können.

Radiopharmazie – maßgeschneiderte individuelle Behandlung

Ein weiterer Baustein für den Erfolg der Therapie ist, dass in der Radiopharmazie der Zentralklinik Bad Berka die Radiopharmaka für die Diagnose und spezielle Behandlung maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der Patienten hergestellt werden. Das ist schon deshalb wichtig, weil diese speziellen PET-Diagnostika eine Halbwertszeit von unter zwei Stunden haben. Die Radiopharmazie, die ursprünglich 1997/1998 errichtet wurde, ist erst kürzlich für elf Millionen Euro modernisiert worden und umfasst nun ein ganzes Gebäude mit mehreren Stockwerken.

Auch die gute pflegerische Versorgung der oft schwer kranken Patienten auf der 22-Betten-Therapiestation trage wesentlich zum Erfolg und zum weltweit guten Ruf seiner Klinik bei, bemerkt der Spitzenmediziner. Und dann sind da noch die vielen Kollegen, die in den verschiedenen Abteilungen der Zentralklinik vor Ort arbeiten. Nur anhand der exzellenten Zusammenarbeit dieser unterschiedlichen Spezialisten können die Folgen einer Krebserkrankung, die je nach Tumorart von Störungen des Verdauungstraktes, über Leber- und Lungenprobleme bis hin zu massiven Schmerzen und Schäden an den Herzklappen reichen können, effektiv behandelt werden.

Radio-Iod-Therapie – auch in Bad Berka

Neben neuroendokrinen Tumoren umfasst das Behandlungsspektrum der Klinik für Molekulare Radiotherapie unter anderem auch die Radio-Iod-Therapie von gut- und bösartigen Schilddrüsenerkrankungen, die Schmerztherapie von Knochenmetastasen und seit nunmehr fünf Jahren auch die sehr erfolgreiche Radioliganden-Therapie (RLT) von metastasierten Prostatakarzinomen.

Diese wurde von Professor Baum weltweit erstmalig an der Zentralklinik eingesetzt und wird seitdem immer häufiger angewendet. Grundsätzlich geht es bei dieser Therapie darum, dass die Patienten mit fortgeschrittenen Prostatakarzinomen nach dem Versagen der herkömmlichen Behandlungen wie Hormon- und Chemotherapie ein spezielles Molekül, einen sogenannten PSMA-Liganden, als Injektion erhalten.

Dieser ist mit einem therapeutischen Betastrahler „markiert”, dessen Strahlung die Krebsherde zerstört, und zwar ohne gesundes Gewebe zu schädigen. „Die Therapie wird sehr gut toleriert, die Injektion dauert nur Minuten, und es gibt so gut wie keine Nebenwirkungen. Ganz im Gegensatz zur Chemotherapie“, sagt Professor Baum.

Durchbruch für die Medizin und Patienten

Dass sich die vielen Jahre der Anstrengungen gelohnt haben, zeigt sich mittlerweile deutlich: Die peptidvermittelte Radiorezeptortherapie (PRRT), die den Nuklearmediziner und mit ihm die Klinik in Bad Berka berühmt gemacht haben, ist nach zwei Jahrzehnten der mühsamen Einführung nun weltweit anerkannt und europaweit und in USA seit Kurzem von der Europäischen (EMA) und der US-amerikanischen Arzneimittelagentur (FDA) zugelassen.

Das ist die Voraussetzung, um die Therapie weltweit anwenden zu können: „Überall fangen Kollegen gerade an, unser Therapiekonzept als effektive, nebenwirkungsarme und kostengünstige Therapie zu erkennen“, so Professor Baum, „und auch die pharmazeutischen Großfirmen interessieren sich jetzt endlich dafür. Das ist ein echter Durchbruch für die Medizin und die Patienten weltweit.“

Schon jetzt führen er und seine Kollegen pro Jahr zwischen 800 und 1000 Therapien durch. Mit 22 Betten ist ihre Wirkungsstätte die größte einschlägige Therapie-Station Europas. Jetzt biete sich die Chance, die molekulare Radiotherapie nicht nur bei den neuroendokrinen Tumoren und Prostatakarzinomen, sondern auch bei vielen anderen Krebsarten einzusetzen. „Dass das klappt und die neuen Therapiemöglichkeiten vielen kranken Menschen helfen, ist mein Wunsch für die Zukunft.“

Professor Dr. Richard P. Baum

Ihr Experte für Molekulare Radiotherapie:
Prof. Dr. Richard P. Baum
Chefarzt der Klinik für Molekulare Radiotherapie an der Zentralklinik Bad Berka