Sauber!

Sauber!

Mehr als manche Krankheit fürchten Patienten, Pflegekräfte und Ärzte multiresistente Keime. Würden die sich an einer Klinik verteilen, könnte das den Betrieb zum Erliegen bringen. Am Gesundheits-Campus Klinikum Frankfurt (Oder) wacht deshalb ein Team von Hygieneexperten über die Einhaltung der notwendigen Maßnahmen – von persönlicher Hygiene, Reinigung und Desinfektion bis hin zur Sterilisation.

Nur ein kurzer Flur trennt die Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (AEMP) von den Operationsräumen im Klinikum Frankfurt (Oder). Und das hat einen guten Grund: Ist eine Operation beendet, wird das wiederverwendbare Operationsbesteck in einen Container gepackt und auf direktem Wege zur AEMP gefahren. Dort durchläuft es einen genau getakteten Reinigungs- und Desinfektionsprozess mit anschließender Sterilisation, damit es wenige Stunden später wieder einsatzbereit ist – keimfrei und steril.

Mit Schutzkleidung – Mundschutz, Schutzbrille, Einmalkittel, Haube und Handschuhen – ausgerüstet, nehmen zwei Mitarbeiter der AEMP das verschmutzte Instrumentarium entgegen, sortieren es, reinigen es bei Bedarf manuell vor und schieben es in Reinigungs-Desinfektions-Geräte (RDGs). In den RDGs, die an riesige Geschirrspülmaschinen erinnern, werden Gewebe- und Blutreste entfernt. Rund 60 Minuten dauert dieser Vorgang. Auf der anderen Seite der RDGs, in einem nur durch eine Hygieneschleuse betretbaren Raum, stehen Kollegen bereit, um die gereinigten Instrumente entgegenzunehmen. „Zuerst checken wir, ob der Spülvorgang nach Vorschrift erfolgt ist. Dann werden die Instrumente zur Funktionskontrolle und zum Packen freigegeben“, sagt Annett Hausen, die seit Juni die Leitung des Bereichs übernommen hat. Sie und ihr Team sorgen dafür, dass die wiederaufbereitbaren Instrumente beim nächsten Eingriff wieder hygienisch einwandfrei zur Verfügung stehen.

Akribisch packen sie Metallschalen – sogenannte Siebe –, in denen von der Schere über den Nadelhalter bis hin zur Knochenzange alles perfekt sortiert ist. Hausen: „Wir haben sowohl eine Liste, die wir abhaken, als auch ein Foto eines Mustersiebs, an dem wir uns beim Packen orientieren.“ So sortiert, werden die Siebe in Vlies und Container eingepackt und in schrankgroße Sterilisationsgeräte geschoben. Auch diese sind von zwei Seiten zu öffnen. Denn angrenzend an den Packraum liegt das Sterilgutlager. In Metallregalen warten die luftdicht verpackten und sterilen Instrumente auf ihren nächsten OP-Einsatz. „Zwischen 80 und 100 Siebe durchlaufen jeden Tag diesen Prozess“, sagt Hausen.

KRITISCHER PUNKT REINIGUNG

Blau, Rot, Gelb, Grün – auf dem Rollwagen von Karin Pflaum geht es bunt zu. Fünf Putzeimer, zwei Müllsäcke, fünf Boxen mit in Desinfektionsmittel getränkten Reinigungstüchern und unzählige Schubladen gehören zur Ausstattung, damit in den Patientenzimmern die hohen Hygienestandards eingehalten werden können. Deshalb die verschiedenen Farben: rote Tücher für die Toilette, blaue für Staub, grüne für den Mülleimer und gelbe für Waschbecken und Dusche. Und nach jedem Zimmer werden die Tücher und der Wischmopp für den Boden ausgetauscht. „Jede Fläche, mit der ein Patient Kontakt hat, muss berücksichtigt werden – insbesondere die Handkontaktflächen“, erklärt Vorarbeiterin Doris Hinze, die dem 70-köpfigen Team der RHÖN-Reinigung vorsteht.

Von Montag bis Samstag reinigen sie in zwei Schichten sämtliche Räume am Klinikum – inklusive der Patientenzimmer. Hinzes Tag beginnt früh: Um 4.30 Uhr ist sie im Klinikum. Sie muss bei kurzfristigen Ausfällen die Einsatzpläne anpassen und sorgt zudem dafür, dass die Reinigungskräfte sofort mit ihrer Schicht beginnen können. Hinze ist Herrin über den Nachschub an Reinigungsmitteln und Utensilien, mit denen jeder Reinigungswagen ausgestattet ist. „Alles muss in den Zimmern tipptopp sein, damit sich unsere Patienten wohlfühlen“, weiß Hinze. Denn ähnlich wie bei Hotelbewertungen steht und fällt das Urteil von Krankenhauspatienten mit der Qualität des Essens und der Sauberkeit.

Doch bei der Zimmerreinigung steckt der Teufel im Detail: Kontaktflächen wie Lichtschalter, Griffe oder Fernbedienungen dürfen nicht übersehen werden. Regelmäßig erinnert Hinze die Reinigungskräfte deshalb an diese Stellen. Zur Sicherheit führt zudem das fünfköpfige Hygieneteam des Klinikums regelmäßig Tests durch, um für diese neuralgischen Punkte zu sensibilisieren. Stichprobenartig führt das Hygieneteam dazu Beprobungen durch: Mit einem fürs bloße Auge unsichtbaren Leuchtmittel markiert es kritische Punkte, die bei der Reinigung übersehen werden können. Am Folgetag kontrolliert das Team mit einem Blaulichtsensor, ob diese Stellen gereinigt wurden, und gibt entsprechende Rückmeldung an das Reinigungspersonal. Hygiene in den Patientenzimmern ist aber nicht nur als „Wohlfühlfaktor“ wichtig, sondern auch entscheidend, damit das Risiko der Übertragung von Infektionen möglichst gering gehalten wird.

„Alles muss in den Zimmern tipptopp sein, damit sich unsere Patienten wohlfühlen“, weiß Hinze.

Entsprechende Schutzmaßnahmen beginnen schon bei der Neuaufnahme. „Bei rund der Hälfte der Patienten führen wir ein Screening auf multiresistente Erreger durch“, erklärt Dr. Margret Seewald. Die Fachärztin für MRSA (multiresistenter Staphylococcus aureus) verantwortet den gesamten Bereich der Krankenhaushygiene, zu dem vier Hygienefachkräfte, das Team der AEMP sowie das Zentrallabor mit einer kleinen Mikrobiologie für notwendige Schnelldiagnostik vor Ort gehören. „Wir sind technisch sehr gut ausgestattet, sodass wir die wichtigsten Tests bei uns im Haus durchführen können und in kürzester Zeit sehen, ob ein Patient multiresistente oder meldepflichtige übertragbare Erreger mitbringt.“ Bei Nachweis bestimmter Erreger müssen Infizierte sofort isoliert werden.

Rund um die Uhr steht deshalb mindestens einer der insgesamt 16 Medizinisch-technische Assistenten (MTA) unter der Leitung von Seewald und der Biologin Jessica Wolf bereit, um die eingehenden Proben und Abstriche unter anderem mit molekularbiologischen Schnelltests auf Erreger und Resistenzgene zu prüfen. Wolf: „Bei rund 200 Patienten pro Jahr werden wir fündig und handeln sofort.“ Seewald: „Wir nehmen an zahlreichen Modulen des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen teil. Unsere Ergebnisse sind bezogen auf die Referenzwerte sehr gut – und darüber sind wir sehr froh und wollen das auch in Zukunft beibehalten.“

SONDERFALL BAUSTELLE

Dass am Klinikum Frankfurt (Oder) derzeit umfassend neu gebaut und erweitert wird, ist für die Hygieneverantwortlichen eine zusätzliche Herausforderung. Seewald: „Über die Hygieneschulungen für die Klinikangestellten hinaus sitzen wir derzeit auch regelmäßig mit den Baustellenleitern zusammen, um sie für das Thema zu sensibilisieren.“ Vor allem der Staub ist eine echte Belastung. Auch wenn die Baubereiche mit Staubschutzwänden abgetrennt sein müssen, sorgt das ständige Hin und Her der Arbeiter für eine deutliche Mehrarbeit für das Reinigungsteam. „Zwar sind die Bauarbeiter dazu angehalten, vorgegebene Wege zu nehmen und Schubkarren und Ähnliches mit feuchten Tüchern abzudecken, aber wir haben trotzdem mehr zu tun“, sagt Vorarbeiterin Hinze. Die Bauarbeiten sollen bis 2022 abgeschlossen sein – das Thema Hygiene bleibt aber natürlich auch darüber hinaus akut. „Zum einen bringen reisefreudige Patienten zunehmend Parasiten mit“, weiß Seewald. „Zum anderen werden die Vorschriften durch Behörden immer strenger.“

Ein Zurücklehnen gibt es für die Hygieneexperten am Klinikum deshalb nicht. Seewald: „Das macht aber nichts: Wir machen den Job mit Herzblut und sehen die positiven Statistiken als Ansporn, weiterzumachen und noch effizienter und besser zu werden.“

Ihre Expertin für Krankenhaushygiene

Dr. Margret Seewald Leiterin des Bereichs Krankenhaushygiene