COVID-19-Schutzimpfung

COVID-19-Schutzimpfung

Am 27. Dezember sind die Impfungen gegen das Coronavirus bundesweit angelaufen. Prof. Dr. Martin Siepmann, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie klinische Pharmakologie, erklärt den neuen Wirkstoff der Covid-19-Schutzimpfung und den Nutzen einer Impfung.

Die Zulassung des neuen COVID-19-Impfstoffs wurde sehnlich erwartet. Jetzt ist er da. Wie schätzen Sie als klinischer Pharmakologe den Impfstoff ein?

Die Zulassungsstudie zum Corona-Impfstoff des Mainzer Pharma-Unternehmens BioNTech und seines US-Partners Pfizer hat die Wirksamkeit des Impfstoffes deutlich nachgewiesen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA sowie die britische Arzneimittelaufsicht MHRA und die US-Arzneimittelbehörde FDA haben daraufhin den Wirkstoff zugelassen.

Der Impfstoff wurde in einer Studie mit etwa 43.500 Teilnehmenden erprobt. Die Teilnehmenden waren zwischen 16 und 91 Jahren alt und entsprachen in etwa der normalen Bevölkerung. Neben Gesunden nahmen auch Personen mit leichteren Erkrankungen oder chronischen Krankheiten teil, z. B. Menschen mit Erkrankungen wie Diabetes, bei denen das Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 erhöht ist. Eine Hälfte der Teilnehmenden bekam den neuen Impfstoff, die andere ein Scheinmedikament, ein sogenanntes Placebo, gespritzt. Dabei ausgeschlossen wurden Personen mit sehr schweren Erkrankungen, beispielsweise starken Immunstörungen, sowie Kinder und Schwangere.
Die Studie, die gerade  in der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of Medcine veröffentlicht wurde, belegt, dass durch die Impfung das Risiko, an COVID-19 zu erkranken, um etwa 95 Prozent deutlich gesenkt werden kann. Das ist eine vergleichsweise hohe Wirksamkeit gegenüber den Grippeschutzimpfungen. Die Impfung schützt in den unterschiedlichen Altersgruppen ähnlich gut, auch Menschen mit Vorerkrankungen.

Wissenschaftlich noch nicht gestützt ist, ob eine geimpfte Person das Virus trotzdem übertragen kann. Auch wie lange die Wirksamkeit und der Impfschutz anhalten oder ob eine Impfung für Personen sinnvoll ist, die an schweren Immunerkrankungen leiden. Das sind Daten, die in einem nächsten Schritt erhoben werden müssen. Dieser Prozess unterscheidet nicht von dem der Zulassung unserer Grippeimpfstoffe.

Sie glauben also an die Sicherheit des Impfstoffs?

Absolut.

Die Behörden sind bei der Zulassung des neuen Impfstoffs genauso sorgfältig vorgegangen, wie sie das sonst auch tun. Dieser strenge Sicherheitsstandard entspricht so dem eines neu zugelassenen Arzneimittels, nur wurde die Zulassung diesmal schneller erreicht.

Wie nach anderen Impfungen können bestimmte Nebenwirkungen auftreten. Das zeigt, dass unser Körper auf den Impfstoff reagiert und Abwehrstoffe bildet. Beim COVID-19-Impfstoff gab es bislang keinerlei Hinweise auf schwere Beeinträchtigungen. Meist sind die Nebenwirkungen leicht bis mittelgradig und klingen innerhalb weniger Tage wieder ab. Es kann zu leichten Schmerzen oder Rötungen an der Einstichstelle kommen, auch Fieber, Schüttelfrost, Kopf-, Muskel- oder Gelenkschmerzen.  Schwellungen der Lymphknoten wurden in 0,3 Prozent der Fälle gesehen; bei 0,1 Prozent der Teilnehmenden kam es zu allergischen Reaktionen. Unklar ist, ob das direkt mit der Impfung zusammenhängt, da auch unter Placebo-Bedingungen ähnliche Reaktionen auftraten. Mögliche Informationen zu sehr seltenen Nebenwirkungen, sprich Nebenwirkungen, die bei weniger als 1 von 10.000 Geimpften betreffen, können erst erhoben werden, wenn der Impfstoff nun Millionen zur Verfügung steht. Die Behörden werden hier weiter genau prüfen und klären, ob und in wie fern ein Zusammenhang zur Impfung besteht und Nutzen und Risiko neu bewerten. Auch das ist bei anderen Medikamenten so üblich.

Immer wieder werden Bedenken hinsichtlich der Art des Impfstoffs, einem sogenannter mRNA-basierter Impfstoff (mRNA = Messenger-Ribonukleinsäure), geäußert. Hierzu kann man sagen, dass dieser nicht in unser Genom eingebaut wird und demzufolge auch kein damit verbundenes Krebsrisiko darstellt. Das ist eine Erkenntnis, die man  schon zu Beginn der  Entwicklung in den frühen 1990er Jahren gewonnen und die sich in den darauf folgenden zwei Jahrzehnten bestätigt hat.

Sie selbst lassen sich impfen. Die Impfbereitschaft in der Bevölkerung, vor allem des medizinischen Personals, ist noch zögerlich. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Nun, sicher spielen hier Ängste eine Rolle, die jedoch mit der aktuellen Allgemeinangst an sich zu tun haben. Die Corona-Pandemie ist zum ersten Mal etwas, das wir nicht so gut kontrollieren können – eine äußerst komplexe Situation, deren Ausgang wir nicht kennen. Zudem werden die Menschen durch Angst- und Panikmache, Verschwörungstheorien, auch über die sozialen Medien, verunsichert. Diese Grundangst hemmt uns, stärker rational zu denken und zu handeln. Mein Apell so an alle: Wir müssen uns wieder stärker auf das verlassen, was gesichert und belegbar ist.

 Was kann man Ihrer Ansicht nach tun, um die Impfbereitschaft zu erhöhen?

Sachliche Informationen und transparente Aufklärung sind das A und O. Es ist wichtig, nichts zu beschönigen, aber auch nichts schlecht zu reden.

Man muss klar sagen, dass die Impfung ein wichtiger Meilenstein ist. Mit ihr und unter Einhaltung der weiterhin geltenden Hygienemaßnahmen können wir weitere Ausbreitung  und mögliche Mutationen des Virus verhindern und die Pandemie überwinden.

 

Prof. Siepmann

 

 

 

 

 

 

Ihr Experte:
Prof. Dr. Martin Siepmann
Ärztlicher Direktor der Psychosomatischen Klinik
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sowie klinische Pharmakologie

 

Corona in Zahlen:

  • Weltweit wurden bis Ende Dezember 2020 79 Mio. COVID-19 Fälle und 1,7 Mio. Todesfälle berichtet. (Stand 27.12.2020. Quelle WHO)
  • Allein in Deutschland sind bisher über 1,6 Millionen Menschen an COVID-19 erkrankt und mehr als 30.000 Menschen daran gestorben (Stand 28.12.2020. Quelle: RKI)
  • Nur mithilfe der Corona-Schutzimpfung lässt sich eine flächendeckende Immunisierung der Bevölkerung erreichen und so die Pandemie unter Kontrolle bringen. Wenn circa 70 Prozent der Bevölkerung immun sind, wird das Übertragen von SARS-CoV-2 so sehr verringert, dass die Coronakrise vorübergeht.
  • Klar ist: Je mehr Menschen geimpft werden, desto weniger Wirte findet das Virus. Und umso schwerer sind die Bedingungen für die Ausbreitung des Virus.

Weitere Informationen zu Covid-19 und zum neuen Impfstoff finden Sie HIER.